Essstörungen

Essstörungen sind eine psychologisch-emotionale Verhaltensstörung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitsschäden. Zentral ist die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Thema „Essen“. Sie betrifft die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und hängt mit psychosozialen Störungen und mit der Einstellung zum eigenen Körper zusammen. Wenn die Störung zwanghaft ist, spricht man von Sucht oder Abhängigkeit.

Essstörungen wie Bulimie, Magersucht oder Esssucht sind insbesondere ein Produkt der heutigen Konsumgesellschaft. Durch die permanente Überflutung mit unnatürlich retuschierten, untergewichtigen, maskenhaften Idealbildern werden Mädchen zu Komplexen getrieben. Es werden ihnen systematisch unerreichbare Idealbilder eingepflanzt. So wird ein lebenslanges Konsumverhalten gefördert – man will sich sein Leben lang durch produkte die Schönheit der Idealbilder erkaufen. Zumindest ein kleines bißchen. Aber weil es niemals funktioniert, bleibt es ein Teufelskreis des Konsums und der unbefriedigten Bedürfnisse. Esstörungen gehen damit Hand-in-Hand, weil sie sich heute oft im zarten Teenager-Alter ausprägen, bei labilen Mädchen, die den Idealbildern nachhungern. Oft bleibt die hartnäckige Sucht dann lange bestehen.

Arten von Essstörungen

Zu den Essstörungen gehören Magersucht (Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa), die unspezifische Esssucht, sowie die spezielle Binge Eating-Form der Essucht.

Die einzelnen Störungen sind nicht klar gegeneinander abgrenzbar. Oft wechseln die Betroffenen von einer Form zur anderen und die Merkmale gehen ineinander über und vermischen sich.

Frauen sind verstärkt betroffen. Bei ihnen treten auch Störungen im Menstruationszyklus auf, bis zum totalen Aussetzen der Menstruation (Amenorrhoe).

Mittelpunkt aller Essstörungen ist die zwanghafte Beschäftigung mit dem Thema Essen. Bei allen chronisch gewordenen Essstörungen sind lebensgefährliche körperliche Schäden möglich (Unterernährung, Mangelernährung, Fettleibigkeit).

Begleiterscheinungen und Gefahren insbesondere bei Bulimie können auch folgende sein: Verätzungen der Speiseröhre, Risse in der Magenwand durch Überdehung, Alkoholmisbrauch als zusätzliche Suchtform mit dem Ziel von Frustabbau, Blasenentzündungen durch Wassermangel, Schäden am Zahnschmelz und Herrhytmusstörungen beim Erbrechen. Letzteres kann bei Bulimie tatsächlich zum Tod führen, durch einen plötzlichen Herzstillstand beim Erbrechen.

Wann handelt es sich tatsächlich um eine Ess-Störung?

Die Übergänge zwischen „normal“ und „krankhaft“ sind von vielen Faktoren abhängig.

Ein Mensch, der aus religiösen oder ideologischen Gründen besondere Ernährungsformen pflegt oder gar sich selbst kasteit, ist nicht unbedingt essgestört. Ebenso wenig wie jemand, der sich unbekümmert ein Zu viel an Kilos auf die Rippen isst.

Eine Essstörung kann sich jedoch in einem ideologisch verbrämten Umfeld etablieren oder dadurch aufrechterhalten werden.

Manche Ess-Süchtige sind körperlich und in ihrem Verhalten völlig unauffällig – die Sucht spielt sich bei ihnen ausschließlich im Kopf ab.

Psychologische Wirkmechanismen bei Essstörungen

Bei allen Essstörungen handelt es sich um Sucht-Mechanismen oder Abhängigkeit. Obwohl der Begriff „Sucht“ nicht von „suchen“ kommt, steht psychologisch hinter der Sucht immer eine stellvertretende Suche nach Beziehung, Liebe, Glück, Kontakt, Lust, Zufriedenheit usw., die natürlich auf diesem Weg erfolglos bleibt.

Magersucht, Bulimie, Binge-Eating – woher kommt’s?

Im Wesentlichen handelt es sich um eine Ersatzhandlung, bei der die geistige und emotionale Energie auf die Auseinandersetzung mit dem Suchtmittel gerichtet ist. Die Notwendigkeit menschlicher Kontakte und oft auch die Anforderungen des Alltags werden missachtet.

Bei den Essstörungen ist das Suchtmittel weniger die Nahrung an und für sich, sondern die Beschäftigung mit Ernährung und dem eigenen Körperbild.

Wie bei allen Süchten sind die Suchtmittel veränderlich und die vielfältigen Formen der Essstörung können ineinander übergehen und sich vermischen.

WIR ALLE SIND BETROFFEN → AUCH DU!
– selbst wenn Du keine Essstörung hast!

Klar ist, dass Essstörungen nur das Symptom ganz anderer Probleme sind, die mit Angst zu tun haben. Die Idee, diese Probleme auf den eigenen Körper zu beziehen, wird uns Frauen aber gezielt eingetrichtert:

Wissen gibt Dir die Macht über Dich selbst – und das ist es, was wir frauen heute alle gut brauchen können:

Fett. Blass. Hässlich. Das bist Du!

Zumindest sollst Du das denken. Jeden Tag siehst du hunderte retouchierte Körper und Gesichter, die nur einen Zweck verfolgen: Dich – im Vergleich – schlecht aussehen lassen.

Du sollst Dich nicht schön finden

Nur wenn Du mit Deinem Aussehen und Deinem Körper unzufrieden bist, können Dir die Kosmetikkonzerne ihre Produkte verkaufen.
Und genau das sollst Du. Kaufen. Je mehr desto besser.

Erst zerstören sie Dein Selbstbewusstsein durch ein völlig realitätsfernes Schönheitsideal. Dann belügen sie Dich weiter – und erzählen Dir, Ihre Produkte würden Dir helfen, Dich wieder besser zu fühlen.

Die Masche ist ganz einfach:

Man nehme ein Topmodel, schminke es zur Unkenntlichkeit, engagiere hoch bezahlte Fotografen und dazu professionelle Lichttechniker, die sich um die perfekte Beleuchtung kümmern.

Dann schieße man tausende Fotos, wähle daraus das Beste aus, heuere eine Crew von professionellen Graphikern an, und manipuliere dieses Bild so lange bis die eigene Mutter das Model nicht mehr wiedererkennen würde.

Dann hast Du das perfekte Bild, Dein Schönheitsideal, welches mit einem millionenschweren Budget produziert wurde.

Und damit sollst Du Dich vergleichen. Je öfter, desto besser.

In Magazinen. Auf Plakaten. Im TV.

Deswegen ist jede Frauenzeitschrift, die riesigen Werbeplakate in der Stadt und die Werbeblöcke im Fernsehen voll mit solchen Bildern.

Aber nicht nur in der Werbung siehst Du die künstlichen Bilder, sondern auch in Deiner Lieblings-Soap, Videoclips, Filmen… Immer wieder wird Dir das gleiche unrealistische Schönheitsideal präsentiert. Permanent und in allen Medien.

Das bewirkt bei Dir Folgendes:

Du gewöhnst Dich an diese völlig unnatürlichen Bilder. Weil sie immer – und immer wieder – wiederholt werden, glaubst Du sie wären real.

Sie werden Dir vertraut, als wären sie echt. Als würde es Menschen geben, die wirklich so aussehen. Aber die gibt’s nicht! Wie den Osterhasen.
Dass Du dieses Ideal nie erreichen kannst, ist jetzt klar. Es gibt keine einzige Frau auf der Welt, die so aussieht, wie die Kosmetikkonzerne uns Frauen vorgaukeln.

Selbst Models werden geschminkt und ihre Bilder nachbearbeitet. Auch sie sehen nur durch professionelle Maskenbildner, Profifotografen, Lichttechniker, und aufwändige Computermanipulation so aus, wie Du sie auf Bildern zu sehen bekommst.

Jeder Gebrauchtwarenhändler käme ins Gefängnis, wenn er seine Kunden so belügen würde!

Alles, was die Konzerne erreichen wollen, ist, dass Du mit Dir unzufrieden bist. Denn dann kaufst Du mehr.

Und das sind Sie — Deine exklusiven Nachteile der Konsum-Werbung:

  • Die Werbung der Kosmetikkonzerne bewirkt also genau das Gegenteil von dem, was sie Dir verspricht.
  • Du fühlst Dich nicht schöner, sondern hässlich.
  • Du magst Dein Gesicht nicht mehr, weil sie reden Dir einreden, dass Du an Mischhaut leidest.
  • Statt Dir zu gefallen, analysierst Du jedes Gramm Fett an Deinem Körper.
  • Statt zufrieden und selbstbewusst aufzutreten, überlegst Du nur, ob Dein Hintern zu dick ist und ob die Frisur sitzt.
  • Statt offen und locker mit Jungs umzugehen, bist Du lieber still, und grübelst ob Du alle Poren Deiner Haut gut abgedeckt hast.
  • Statt ihn mit Deiner charmanten Art zu bezaubern, musst Du darüber nachdenken, ob er merkt, dass Du Deinen Bauch einziehst.

Kein einziges Produkt, dass sie Dir verkaufen wollen, um Dein zerstörtes Selbstbewusstsein wieder aufzubauen, hält sein Versprechen. Statt wirklich gut, fühlst Du Dich nur weniger schlecht.

Steig aus dem Kreislauf aus – durch Bewusstheit darüber. So kannst Du Dich auf Dauer mehr und mehr davon abkapseln, und Dich frei und gut fühlen.