Bulimie und Esssucht – die Gemeinsamkeiten

Die Bulimie als Essbrech-Sucht ist sehr nah verwandt mit der reinen Esssucht. Insgesamt kenne ich hier drei Ausprägungen. Bei der Bulimie haben wir im Allgemeinen die schubweisen Fressattacken, wonach man sich dann erbricht. Bei der Esssucht gibt es einmal quasi den permanenten Drang zu essen und als zweite Ausprägung die Bing Eating Disorder, also schubweise Fressattacken. Im Unterschied zu den Fressattacken bei dieser Form der Esssucht folgt bei der Bulimie das Erbrechen.

Warum gibt es diese verschiedenen Ausprägungen von Esssucht?

Warum muss oder will sich die Bulimikerin im Gegensatz zu anderen Esssüchtigen erbrechen?

Der Unterschied von der Bulimie zur Esssucht liegt darin, dass bei der Essbrechsucht zu dem einerseits starken Verlangen eine innere Leere mit viel Essen zu füllen im Gegenzug eine panische Angst vor dem Dicksein hinzu kommt.

Während Menschen mit Esssucht ihr meist sehr starkes Übergewicht längst akzeptiert haben – es teilweise unterbewusst sogar als eine Art Schutzmantel betrachten – haben Frauen und Mädchen mit Bulimie eine starke Abneigung gegen Dicksein und können das als Konsequenz der massiven Fressattacken nicht hinnehmen.

Selbst wenn Esssüchtige oft auch sehr stark unter ihrem Übergewicht leiden, dass sich leider immer als logische Konsequenz einsetzt, ist bei ihnen die Motivation schlank zu sein nicht so groß, dass sie sich zum Erbrechen zwingen könnten. Das Schlankheitsideal führt hier nicht in eine panische Angst vor dem Dicksein. Meist ist eine Art Resignation der übergewichtigen Situation gegenüber und eine depressive Haltung mitspielend.

Ich hatte einmal eine Studienkollegin mit Esssucht. Sie war ein Beispiel für die Resignation und das Aufgeben, wenn es um die eigene Figur ging. Sie hatte sich in ihrem Leben ans Dicksein gewöhnt und es als Teil ihrer Person resignierend akzeptiert, obwohl sie gern schlank gewesen wäre. Aber Depression und Passivität sich selbst gegenüber sind die Hemmer, die das Ich in der Niederlage der Krankheit gegenüber halten.

Bulime – Angst vor dem Dicksein und kurzzeitige Erleichterung

Auch wenn das Erbrechen etwas sehr Unangenehmes ist, und zu Beginn der Krankheit sogar sehr schwierig, ist die Motivation nicht dick zu werden, eine so treibende Kraft dass die Betroffenen alles daran setzen, sich das mühelose Erbrechen anzutrainieren. Sich zu übergeben ist zum Abschluss einer Fressattacke außerdem nochmal ein zweiter Höhepunkt, der ein kurzes Gefühl der Entlastung und Erleichterung verschafft. Eine emotionale Entladung, die eine Kompensation für andere emotionale Entladungen darstellt. Während dem Ess-Anfall wird beim Verzehr vieler gehaltvoller Nahrungsmittel bereits eine Art emotionale Erleichterung empfunden, und beim Erbrechen dann sozusagen direkt danach noch einmal. So haben wir hier 2 Höhepunkte von seelischer Entlastung und Erleichterung, zumindest wird das in dem Moment kurzfristig und trügerisch so empfunden. Sicherlich gleich wie bei anderen Suchterkrankungen. Und die Gemeisamkeit von Sucherkrankungen ist ja dann leider das Zerstörerische daran – die sehr ungesunden Nebeneffekte.

Und selbst wenn Bulimie nicht ungesund wäre, wäre sie immernoch ein Zeichen für seelische Not. Denn Bulimie und Essucht sind schlichtweg eine Kompensation von Gefühlen und Umständen, die im Leben fehlen. Das Gefühl, das hinter der Bulimie am vorherrschendsten ist, ist die Angst. Genau deshalb spricht man bei Essstörungen auch von Angststörungen. Wer Bulimie hat, hat im Kern ganz viel Angst und unterdrückte Gefühle.