Bulimie Therapie – Erfahrung & Tipps

Sich für ein Therapie zu entscheiden halte ich grundsätzlich für etwas Gutes. Es heißt ja soviel, wie dass mann etwas machen will. Ganz bewusst. Es muss sich was ändern, soviel ist dir klar.

Ich selbst hatte früher massive Essstörungen, und das über Jahre. Ich habe daher Therapie-Erfahrung, und die teile ich gern.

Als 16-jähriges Mädchen kam ich für einen stationären Aufenthalt in die Psychatrische Abteilung eines örtlichen Krankenhauses. Ich hatte damals Anorexia Nervosa, also Magersucht. Ich wollte nicht essen. Es war ein zwanghaftes Verhalten, eine ausschließliche Auseinandersetzungmit dem Thema essen oder eben nicht essen. Den ganzen Tag. Obwohl ich Hunger hatte. Natürlich, und wie eine Magersüchtige Hunger hat. Der Körper braucht doch was.

Aber man zwingt sich mit eiserner Disziplin so wenig aus so gehaltlos wie möglich zu essen, nur damit man jeden Tag noch ein bißchen dünner wird. Und das erzeugt scheinbar ein Hochgefühl. Man denkt, man hätte dadurch jeden Tag einen kleinen Erfolg. Man kontrolliert etwas. Und man denkt man tut es ja für die eigene Schönheit. Auch wenn einem auf eine irrsinnige Weise auch klar ist, dass das nicht gesund ist. Na gut, so viel dazu :).

Jedenfalls war mein Aufenthalt auf der Station 6 Wochen lang nichts wirklich Therapeutisches. Für meinen Teil hat mir zwar die Kunsttherapiestunde jede Woche Spaß gemacht – ich male nun mal gern – aber insgesamt hatte ich nicht den Eindruck, dass da ein intensives professionelles Vorgehen in therepeutischer Hinsicht stattfand. Ich fühlte mich einfach nur eingesperrt und kontrolliert. Ich war mehr oder weniger gezwungen, nach Plan zu essen. Es war aber eine reine Einwirkung von außen. Ich war dabei gefühlt passiv und habe es eben gemacht.

Es gab aber keine intensive Therapie mehrmals die Woche, in der intensiv mit meiner Psyche gearbeitet worden wäre. Eigentlich könnte man den Aufenthalt eher mit einem sehr teuren Unter-Beobachtung-Stehen vergleichen. Man wurde beobachtet, dass man regelmäßig seine Mahlzeiten einnahm um nicht am Hungertod zu verenden. Und das war’s im Endeffekt. Danach war ich wieder aktiv auf mich allein gestellt und hatte nichts dazu gelernt. Mit meinen 16 Jahren.

Außer dass ich es durch das tägliche „normale“ Essen, das im Krankenhaus der Fall gewesen war, hinterher nicht mehr schaffte, die Disziplin des Nicht-Essens aufrecht zu erhalten. Die logische Konsequenz: Ein direkter Übergang zur Bulimie. Ganz klar, das Gedankengut dünn sein zu wollen und essen als etwas feindliches für die Schönheit anzusehen gekoppelt mit einer Sehnsucht nach Kontrolle und Anerkennung, all das führt dann klassischerweise von der Magersucht in die Bulimie. Wenn man sich im Kopf nicht wesentlich geändert hat. Bzw. in der Gefühlswelt. Das muss man also bei stationären Aufenthalten bedenken. Dass die Sucht meist hinterher weitergeht. Die Mädels freuen sich ja geradezu darauf nicht mehr die Beobachter um sich zu haben, und hinterher endlich wieder selber die gestörte Esskontrolle ausüben zu können. Jedenfalls weiß ich, dass das sehr oft so ist.

Die Voraussetzung für eine efolgreiche Bulimie Therapie

Ich halte von Therapie daher nur dann etwas, wenn man von selber absolut entschlossen ist, die Bulimie nun zu überwinden. Der Therapeut bietet dann Hilfestellung. Es kann also tiefenpsychologisch erörter und analysiert werden, warum man die Essstörung bzw. Angststörung hat (Essstörungen fallen unter den Oberbegriff der Angststörungen). Wie sich das entwickelt hat, welche Voraussetzungen bei dir zutreffen. Etwas zu verstehen ist schonmal ein wichtiger Schrifft. Aber dann ist das Wesentliche die aktive Arbeit mit den Ängsten, die Therapie die wirklich darauf abzielt die Gefühlswelt zu korrigieren. Durch entsprechende Übungen zur Verhaltensänderung und zur veränderten Sichtweise auf bestimmte Wirklichkeiten im Leben, die evtl verzerrt wahrgenommen werden.

Viele unverständige Laien denken, einem Essgestörten müsste man nur zeigen, wie man wieder normal isst. Aber das ist natürlich Schwachsinn. Denn eine Magersüchtige oder eine Bulimie-Kranke ist intellektuell durchaus in der Lage einen „normalen“ gesunden Essensplan zu erstellen. Sie wüsste schon was gut wäre. Aber es interessiert sie halt nicht. Deshalb sind Essenspläne auf der Wichtigkeitsskala einer Therapie meiner Meinung nach nachgestellt. Vernünftige Ess-Pläne kann man integrieren, sobald es emotional Sinn ergibt. Bis nicht bestimmte Dinge im Kopf „Klick“ gemacht haben, z.B. bestimmte Ängste und Nöte reduziert wurden, wird der Drang zur Ess-Brech-Attacke immer da sein. Denn das schafft den seelischen Ausgleich, solange bestimmte emotionale Nöte vorherrschend sind.

Mein Tipp daher was eine Bulimie-Therapie betrifft:

Die Grundvoraussetzung für eine Bulimie-Therapie ist der eigene feste Wille zum Gesund werden. Man muss verstehen, dass die Verantwortung zum gesund werden bei einem selber liegt. Der Therapeut gibt schlichtweg nur Hilfestellungen. Hilfe zur Selbsthilfe. Es gibt keinen Therapeuten der einem Mädchen helfen kann, das nicht von selber daher kommt.